Und dann, als der Herr Ministerpräsident zu seiner gepanzerten, gepolsterten Im-Auftrag-Des-Staates-Karosserie eskortiert wurde und er vom Vorsitzenden der Gesellschaft für die Erhaltung des natürlichen Lebensraums des Investmentbankers telefonisch erklärt bekam, wie unzufrieden dessen Schützlinge mit dem Gebaren der Partei X waren und wie sehr sich das auf zukünftige Wahlkampfunterstützungen auswirken und wie die Presse auf gewisse im Nachtmodus gemachte Aufnahmen reagieren würde und wie dessen Frau seiner Frau die gemeinsamen Golftrips aufkündigen und die Wirtschaft im Allgemeinen von jedem zusätzlichen Promille Bonusbesteuerung um zusätzliche einhundertsieben komma dreiundzwanzig periodisch Monate zurückgeworfen werden würde und überhaupt und außerdem und obendrein, schlug auf einem sonnenüberfluteten Rasen eine zierliche Dame mit großer Wucht und außerordentlich schön geformtem Bogen einen kleinen, weißen Ball in die komplett falsche Richtung.

 Der Hacker an seinem Schreibtisch, eben im Begriff, genüsslich den Dampf von den Rändern seiner Tasse glühendheißen Kaffees wegzublasen, artikulierte, als oben erwähnter Ball nach einem sauberen Durchlöchern molekulartechnisch verdunkelten Glases in besagter Tasse landete und pechschwarze Flüssigkeit von Magmatemperatur zwischen seiner modisch randlos beglasten Brille und seinem sauber getrimmten Designerbärtchen verteilte, Totenkopf und Giftflasche und Gewitterwolke und Blitzschlag und Hieroglyphe, indessen die Dame, deren von einem explosiven Mix, bestehend aus Benzodiazepinen, Prosecco und den Strahlen einer prächtig aus dem flecklosen Knallblau herabbrennenden Lichtkugel ausgelöste  – und höchst beachtliche 360 Grad – Drehung mit Golfschläger den Ball in seine ungewöhnliche semiorbitale Flugbahn geschickt hatte, eine Art prustendes Glucksen ausstieß und sich hinhockte, wobei ihre Freundin, die zwar weniger klinisch-medikamentös beeinflusst war, in Sachen Hitze – und Ethanolanreicherung ihr aber in nichts nachstand, bei dem Versuch, sie hochzuziehen auf sie stürzte.

Und dann passierte dies, das und auch noch jenes, so dass sich an diesem Mittag zwei Männer und drei Frauen in knallgelben Plastikmänteln mit abgebildetem roten, breit lachenden Sonnengesicht auf dem Parkplatz des Golfclubs einfanden, wo, wie sie aus verlässlicher und obendrein strenggeheimer Quelle erfahren hatten, die Trophäen zweier Weltschänder einander Gesellschaft leisteten. Der Ball hatte zu diesem Zeitpunkt seine verkehrte Reise bereits angetreten. Und der Ministerpräsident, inzwischen auf der Residenz angelangt, wo ihn seine vierzehn ausländischen Amtskollegen erwarteten, ließ sich von seinem Personenschutzchef zum wiederholten Mal bestätigen, dass Gemahlin und Anhängsel weiterhin ungestört ihres Spiels nachgingen. Und er wusste nicht, dass zu diesem Zeitpunkt fünf Weltretter argwöhnisch die den Eingang des Clubs flankierenden sonnenbrillentragenden Schränke mit Krawatte beäugten und ein indignierter Hacker in Mikrosekundentakt auf seine Tastatur hämmerte, Kaffee in schwarzen Rinnsalen von Kinn und Barthaaren tropfend, und 0 und 1 und 1 und 1 und 1 und 0 und 1 und 0 und 0 und 1 und 1 und 0 und 1 ihren geheimnisvollen Tanz begannen.

Und zu einem früheren Zeitpunkt blitzten orbitweiße, perfekt wie eine gut gebundene Krawatte sitzende Zähne im grellgleißenden Glitzern des Golfs von Mexiko und es war wahrlich eine Postkartenszenerie, in der sich der Investmentbanker fand, als er das iPhone, mit dem er den Politiker gesprochen hatte, in die See warf, und das nächste Stück für seinen nächsten Anruf in die Tasche seiner perfekt sitzenden Shorts gleiten ließ.

Und dann, und weiters und im folgenden hatte der Hacker das Überwachungskamerabild auf seinem Monitor, das er gesucht hatte, und die beiden Damen rollten auf dem milimeterexakt geschnittenen Golfgras und ihr Caddy stand daneben und blickte angestrengt in die andere Richtung. Und der Beobachtende wusste, er konnte das Bild nachschärfen, und er wusste, was er tun musste, und er wusste, die Wangen dieser Tussis würden bald ebenso glühen wie seine. Und er lächelte und hielt es für gut.

Und als die ersten Aktienkurse an den Unternehmen, in deren Vorständen und Aufsichtsräten Yachthengst saß, zu fallen begannen, und nach der Mittagspause der Ministerpräsident seine Kollegen dicht gedrängt um das iPad eines Pressesprechers stehen sah, und der Wirtschaftskapitän und der Staatsgeschicklenker die Youtube-Videos ihrer Gemahlinnen schließlich angeklickt hatten, waren sie verwirrt, zornig und besorgt und bereuten zutiefst, Geraldine respektive Amalia nicht stark genug zugedröhnt zu haben, sodass sie das Haus respektive eines der Häuser nicht mehr verlassen hätten können. Und der Hacker freute sich über zweiundzwanzigmillionen Youtube-Klicks und ein Jobangebot von WikiLeaks und der Caddy freute sich nicht, er wurde gefeuert und in Klagen über das tausendfache seines Jahresverdiensts begraben, und die beiden Damen freuten sich über einen verlängerten Skiurlaub in einem österreichischen Bergkaff, das von den wichtigen Leuten ungefähr genausoviele kannten wie Österreich wichtige Leute hatte.

Und die Atomaktivisten? Die freuten sich, dass die Kleiderschränke plötzlich verschwunden waren und liefen auf den Rasen und hielten ihre Schilder hoch und riefen „Raus aus dem Raus“ und „EU-Faschisten nach Chernobyl“ und kamen gerade dazu, sich aufzustellen und beinahe über die im Gras kugelnden menschlichen Lacher zu stolpern, als die Schränke wieder auftauchten, mit ausgestreckten Radkappenhänden, und „Abstand!Abstand!“ bellten. Da riss sich eine der Aktivistinnen die Jacke vom Leib und zeigte blanke Haut und begann sie sich mit einem Messer abzuschaben und schrie:“ Brustkrebs für alle! Verstrahlung für ein strahlendes Morgen!“ und das war der Grund, warum das Youtube-Video die Zehnmillionenmarke überstieg, und einer der Schränke zog, als er das Messer sah, seine Waffe und schrie etwas, was im Schreien der Aktivisten aber unterging, und da schoss er, und traf, und das war der Grund, warum das Video 20 Millionen Views erreichte.

Und für den Ministerpräsidenten bedeutete die Frau im österreichischen Skifahrexil eine Chance und eine Belastung. Eine Chance, da das Image des um die Sicherheit seiner Frau besorgten Mannes ein politischer Jackpot war und eine Belastung, weil die Verfrachtung in Sicherheit unauslöschlich mit diesem Youtube-Video, das schnell von betrunkener Indiskretion über fundi-politisch motivierte Selbstverstümmelung zu etwas, was die Gerichte möglicherweise als Mord abstempeln würden, wechselte.

Und der Banker ließ seine Frau einweisen und besorgte sich eine neue.

Und übrig blieben ein kaffegetaufter Golfball und eine zersplitterte Glasscheibe und ein paar geknickte Protestschilder und eine ans Sankt Lazarus – Sanatorium adressierte Kleiderschachtel und ein enorm beliebtes Youtube-Video. Und und. Einhundert.

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Alexander Macho