Ovid Mythos 4, Hellfire-Edition

Heute gibt’s einen absoluten Mythen-Blockbuster, ein Szenario wie aus einem Michael Bay-Film, apokalyptisch, höllisch, allesverzehrend!

Phaethon, Sohn der Clymene und des Apollo, gerät in Streit mit Epaphus, Sohn der Io. Dieser brüstet sich damit, von Juppiter selbst abzustammen, und verspottet Phaethon, den er der Lüge über seine göttliche Herkunft bezichtigt. Das will Phaethon nicht auf sich sitzen lassen, und in seinem herausgeforderten Stolz wendet er sich an den Sonnengott selbst. Er reist durch Äthiopien und Indien nach Osten, wo bekanntlich die Sonne aufgeht, und hat irgendwann Apollos Burg erreicht.

Sein Vater empfängt ihn erstaunt mit der Begrüßung “Was suchst in der Burg hier,/ Phaethon, du mein Sohn, vom Vater nicht zu verleugnen?” Diese Begrüßung macht den verunsicherten Jüngling natürlich froh und er trägt seine Bitte um einen Beweis der Vaterschaft vor. Apollo heißt ihn, zu verlangen, was immer er wolle, er werde es erfüllen. Das schwört er beim Styx und bleibt nicht der letzte Gott in den Metamorphosen, der dies bitter zu bereuen hat. Denn was beim Unterweltstrom Styx geschworen ist, darf selbst ein Gott nicht brechen.

Phaethon inzwischen hat ein Auge auf die prächtigen flammenden Rösser geworfen, die dort an den Sonnenwagen geschirrt stehen, ungeduldig mit den Hufen stapfen und Feuerzungen aus ihren Nüstern schnauben. Was für ein Wagen!, denkt sich Phaethon, Und was für eine Figur ich darin machen werde! Phaethon ist der erste Sohn der Kulturgeschichte, der sich über das Luxusgefährt des alten Herrn hermachen will.

Apollo aber erblasst, will ihn davon abbringen. Er selbst fürchte diese Rösser und könne sie nur unter Aufbringung aller seiner Kräfte beherrschen.

 

“Steil ist der Weg zunächst, daß ihn kaum am Morgen die frischen

Pferde erklimmen. Er führt in des Himmels Mitte am höchsten.

Oft wird mir selbst es zum Graun, von dort auf das Meer und die Erde

Niederzusehn, und es bebt in Bangen das Herz in der Brust mir.”

Ein zweiter Grund steckt dahinter, dass Apollo seinem Sohn den Wagen nicht anvertrauen will: Er würde ihm damit die Verantwortung über den Sonnenkörper selbst geben, der nicht nur die Erde, sondern auch den Äther selbst in Brand setzen kann.

Er fürchtet wohl ein solches Szenario: 

Aber der Sohn besteht auf seiner Forderung, steigt in den Wagen, schießt davon, und das Unvermeidliche geschieht. Die Teufelsrosse ziehen ihn wie eine Blechdose hinter sich her und frei von ihrer normalen Zügelung, stürmen sie los wie nie, steigen auf, fahren hinab, und setzen in Flammen, wessen sie sich nähern.

Wunder nimmt es den Mond, daß tiefer die Rosse des Bruders

Rennen als seine, und, rings entzündet, rauchen die Wolken.

Wo sie am hächsten sich hebt, erfassen die Flammen die Erde,

Risse treibt sie und Spalten und dorrt ihrer Säfte verlustig.

Und es vergilbt das Gras, versengt wird der Baum mit den Blättern,

Nahrung bietet die trockene Saat ihrem eigenen Schaden.

Wenn das schon alles wäre! Bald brennt alles und Phaethon verliert endgültig die Kontrolle.

Phaethon aber sieht da nun entzündet an allen

Enden den Erdkreis, er hält die gewaltige Hitze nicht aus, und

Wie aus dem tiefen Schacht einer Esse schöpft er im Atem

Feurige Luft und fühlt den Wagen unter sich glühen.

Schon vermag er der Achse emporgeschleuderten Staub nicht

Mehr zu ertragen; umwölkt von heißem Rauche, von schwarzen

Schwaden umwoben, weiß er nicht, wohin es ihn führt und

Nicht, wo er ist; die Willkür der fliegenden Pferde entrafft ihn.

Und das ist die griechisch-römische Erklärung dafür, dass es dunkelhäutige Menschen gibt: “Damals, so glaubt man, erhielt Aethiopiens Volk seine schwarze/ Farbe, da Hitze sein Blut an des Körpers Fläche gerufen.” Klingt zumindest logischer als die Geschichte vom nackten Noah und dem lachenden Sohn.

Zuletzt drohen die Meere auszutrocknen, in denen sich die kleineren Götter verzweifelt in den Tiefen auf den Grund pressen, und die Luft selbst entbrennt. Alles droht zu Ende zu gehen in dieser feurigen Verwandlung, als Juppiter ihn schließlich mit einem Blitz aufhält. Damit ist die Welt noch einmal gerettet und weil es in der antiken Mythologie immer auch sehr fair zugeht, werden die trauernden Schwestern Phaethons in Bäume verwandelt, die Mutter erstarrt zu Bernstein. Wer dahintersteckt, ist unbekannt. Vermutlich einmal mehr das Geschick.