Jetzt hat der Haas schon wieder einen Brenner geschrieben. Vom achten Brenner-Roman (BR) verspricht der Klappentext einen ganzen Haufen Frauengeschichten, in deren Zentrum der chronisch griesgrämige (mittlerweile Ex-)Kommissar Simon Brenner steht. In gewisser Weise hält er das auch ein. Andererseits auch wieder nicht.

Kurz zum Plot.

Zu Beginn sucht ein gewisser Nikolaus weibliche Bekanntschaften im Internet. Als Nächstes wird der Brenner in die Suche einer jungen russischen Frau nach ihrer Schwester verwickelt, die angeblich internationalen Menschenhändlern in die Finger geraten ist. Im Zuge seiner Ermittlungen steigt der Brenner ins Wiener Rotlichtmilieu ab und kreuzt den Pfad des berüchtigten Wu Tan Clans (kein Schreibfehler). Danach wird es blutig, oder, im Haas-Sprech: einiges passiert.

Der jüngste Brenner vereint wieder die üblichen Erfolgselemente des Haas’schen Oeuvres: ein plauderndes Erzählen, ein mürrischer Anti-Held, eine sanfte, im Vorübergehen passierende Gesellschaftskritik. Was den Braten diesmal fett macht, ist die Figurenkonstellation. Ohne zu viel verraten zu wollen: Der Brenner lebt in diesem BR streckenweise gleich mit zwei Frauen in einer sehr merkwürdigen, zwischen WG und Ehe schwankenden Gemeinschaft. Und das gibt dem Erzähler (und über ihm schwebend dem Autor Haas) Gelegenheit alle möglichen Männer-Frauen-Stereotype durchzuspielen, nur eben in typischer Haas-Manier, die auch noch abgedroschene Wahrheiten zu kleinen Humorperlen aufpolieren kann.

Es wäre aber übertrieben, den Roman eine Beziehungskomödie nennen zu wollen. Er besitzt diese Elemente, wie andere BR auf andere Gattungen verweisen, aber letzten Endes ist ein Brenner eben ein Brenner: leicht, locker-fluffig und schnell vergessen. Die Handlung ufert in alle Richtungen aus, ordnet sich oft den Gags und Pointen unter und wird am Ende wieder ganz typisch rasch unter einen Hut gebracht.

Wolf Haas will unterhalten, und vielleicht auch ein bisschen zum Nachdenken anregen. Das würde wahrscheinlich jeder Autor mit großer Auflage von sich sagen. Aber für mich persönlich sind die BR dann einfach etwas zu leicht. Trotz aller Unterhaltung. Die Figuren bekommen nie mehr Eigenleben, als sie brauchen, um lustig zu sein. Das kann man so machen, wenn es einem mehr um das Wie als um das Was geht.In dieser Hinsicht ist Haas Terry Pratchett nicht unähnlich. Und daran ist ja auch nichts falsch. Die beiden haben ihr Steckenpferd gefunden und reiten es mit Expertise. Und ihre Kunden wissen ja genau, was sie erwartet, wenn sie nach einem Buch greifen, das ihren Namen trägt.

Fazit: Wenn ihr die anderen gerne gelesen habt, kauft euch auch diesen.