Ich weiß nicht, warum ich plötzlich Interesse hatte, das Buch zu lesen. Weil es verfilmt wird? Weil es ein deutschsprachiger YA-Bestseller ist? Wegen des hübschen Covers? Von allem etwas wahrscheinlich. Jedenfalls war ich überrascht: Das Buch ist gut. Es ist flüssige, spannende Lektüre für Teen-Mädchen der begehrten Zielgruppe 11-20. Es ist Twilight und Hunger Games und Divergent. Zumindest besitzt es die bestimmte Qualität, die all diese Bücher so erfolgreich machen.

Worum geht es? Um die sechzehnjährige Gwendolyn, die in einer sehr merkwürdigen Familie aufwächst. Immer wieder tauchen in ihrer Abstammungslinie Personen auf, die das Talent haben, unkontrolliert durch die Zeit zu springen. Um dieses Geheimnis zu bewahren, existiert eine jahrhundertealte Loge, deren Leitung immer einem Mitglied der zwei großen Familien obliegt, in der das Zeitspringen besonders häufig erscheint: De Villiers und Montrose. Eigentlich hätte Gwendolyns Cousine Charlotte die Zeitspringerin in ihrer Generation sein sollen, aber natürlich ist es am Ende nicht die bestens ausgebildete Charlotte, der die Gabe zufällt, sondern die völlig normale Teenagerin Gwendolyn, die in eine normale Schule geht, normale Filme ansieht und mit ihrer normalen Freundin Leslie über ganz normale Dinge spricht. Dieser Allltag wird kräftig durcheinandergeschüttelt, als Gwendolyn sich plötzlich an der Seite des neunzehnjährigen – und völlig traumhaften! – Gideon de Villiers wiederfindet, mit dem sie von der Loge auf Missionen in die Vergangenheit geschickt wird. Mit der Zeit entdeckt sie, dass sie in ein Netz von Geheimnissen und Intrigen geraten ist, in dessen Zentrum das ihrer eigenen Geburt steht.

Fechtkämpfe und Kutschen, die durch das alte London rattern, Edelsteine und blutschluckene Apparate, Geister und Visionen, dazu die Romantik der Vergangenheit und eine konkretere Romantik zwischen zwei Jugendlichen – Gier mixt in diesem Buch genau die richtigen Zutaten zusammen, die man für einen typischen YA-Bestseller braucht. Auch wenn man als Typ Mitte Zwanzig das Gefühl hat, langsam von dem etwas tollpatschigen, mit sich selbst nicht ganz zufriedenen, sehr, sehr normalen Mädchen, das sich plötzlich in eine außergewöhnliche Rolle gedrängt sieht, seit Twilight genug gesehen zu haben, muss man doch zugeben, dass das eben der Typ ist, über den Mädchen in diesem Alter lesen wollen. Gier, die mit Büchern wie der Mütter-Mafia bisher eher für Frauen geschrieben hat, die über ihren eigenen Alltag lachen wollen, zeigt, dass sie das auch für Teenagerinnen gut versteht. Und bei all dem muss man sagen, dass das Buch gut zu lesen war, spannend, und nicht unwitzig. Irgendwann werde ich wohl auch Sapphirblau aufschlagen.

Fazit