Was vollends die Ausflüchte angeht, deren sie sich zur Entschuldigung bedienen, um ihre Muße desto unbeschwerter auszukosten, so darf man darauf gewiss am wenigsten hören – wenn sie etwa sagen, in die Politik gingen meist Leute, die zu nichts Gutem taugten, mit denen sich auf gleichen Fuß zu stellen eine Schande und mit denen zu streiten, vor allem angesichts einer aufgehetzten Menge, eine erbärmliche und gefährliche Sache sei. Daher sei es weder die Aufgabe eines Weisen, die Zügel (des Staates) zu ergreifen, da er ja die rasenden und unbezähmbaren Triebe des gemeinen Volkes ohnehin nicht im Zaum halten könne, noch sei es eines freien Mannes würdig, sich im Streit mit unlauteren und unmenschlichen Gegnern Peitschenschlägen und Beschimpfungen auszusetzen oder mit Kränkungen rechnen zu müssen, die für einen Weisen untragbar seien – als gäbe es für Gute, Tapfere groß und edel Denkende einen besseren Grund, sich dem Staate zu widmen, als eben diesen: ruchlosen Menschen nicht gehorchen zu müssen und nicht zu dulden, dass gerade diese Leute das Gemeinwesen zerfleischen, während sie selbst (als Privatleute) beim besten Willen keine Abhilfe schaffen können.

Marcus Tullius Cicero, De re publica, 54-51 v.Chr.