Ich bin 1989 geboren, was sehr gut passt, denn 1989 war der Beginn der legendären Disney-Renaissance, in der die Animationsabteilung des Konzerns hintereinander Arielle, die MeerjungfrauDie Schöne und das BiestAladdin und natürlich den König der Löwen einer atemlosen Weltöffentlichkeit präsentiert hat. Keinen dieser FIlme habe ich im Kino gesehen, dafür war ich um zwei Jahre zu jung, aber ich habe sie alle unzählige Male auf VHS und im Fernsehen gesehen.

Was ich damit sagen will, ist das die Disney-Renaissance nicht nur allgemein ein goldenes Zeitalter der filmischen Unterhaltung eingeleitet, sondern damit zugleich auch die Fundamente für den Fantasiehintergrund meiner Kindheit gelegt hat.

Was für eine Zeit das war! Zuhause hatten wir lange nicht Super RTL, aber von den goldenen Zeichentrickserien der 90er habe ich mehr als genug mitbekommen. Damals gab es noch ein Kinderfernsehen, das diesen Namen verdiente: Der Disney-Channel mit Goofy und Max, Darkwing Duck, Duck Tales, Chip und Chap und all den anderen dazugehörigen Shows, die mir jetzt nicht einfallen. Die Ninja Turtles! Gargoyles! Die Gummibärenbande! Der Traumstein! Dann die Animes: Sailor-Moon, Mila Superstar, Jo und ihre Familie, Pokemon! (Dragonball konnte ich mangels Super RTL nie sehen.)

Disney war eine der Mächte, wenn nicht DIE Macht, die in meiner Jugend mit der Gravitationskraft eines Planeten auf mich eingewirkt haben. Das war vor allem in Fernsehen, Film und Spielsachen der Fall, aber ich darf auch den Einfluss der LTBs (Lustige Taschenbücher) nicht unterschätzen, von denen auf unserem Dachboden immer noch eine ganze Kiste voll herumsteht.

Erst allmählich gesellten sich um die Jahrtausendwende andere dominante Fantasiegebilde zu Disney hinzu und begannen, mit ihm um meine vollständige Aufmerksamkeit zu rivalisieren. Das hing natürlich damit zusammen, dass ich alt genug wurde, um ins Kino zu gehen. Und auch das Kino war damals eine goldene Fundgrube für Großfantasien. (Der Marvel-Zirkus von heute ist ja nichts dagengen.) Ich erinnere mich immer noch, wie ich mich 1999 mit Freunden im Sommer in unser lokales Kino setzte und zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder der Star Wars-Text über eine Leinwand lief. Was Effekte, Musik und Kampfszenen anging, hatte ich nie etwas mit Episode 1 Vergleichbares gesehen. Ich erstarrte geradezu vor Ehrfurcht in dem großen, gemütlichen Plüschsessel und wurde zugleich von der Energie des Films angesteckt und beflügelt. Wie viele Sommer haben wir daraufhin mit unseren Plastiklaserschwertern im Garten verbracht? Mindestens vier oder fünf müssen es gewesen sein.

Star Wars knapp auf den Fersen folgten die anderen Epen meiner Kindheit. Rückblickend kann ich es nur unglaublich finden, wie diese drei Trilogien, Star Wars, Fluch der Karibik und Der Herr der Ringe sich überlappten. Was für eine Chance hat da ein kindlich-jugendlicher Verstand schon, nicht auf immer von der Idee von Fiktion eingenommen zu werden?

Und um das Maß voll zu machen, war da auch noch die Bücherwelt, die natürlich von einem großen Namen überschattet wurde.

DIe Jahre 1999 bis 2007 waren die Potter-Jahre. Nichts kam an den Heiligenschein heran, der jedes neu erschienene Buch umgab. Eine besondere Erinnerung aus dieser Zeit ist, wie mein Vater einem befreundeten Buchhändler den Feuerkelch EINEN TAG FRÜHER entlockt hat, sodass ich voller kindischer Freude (und ich glaube wirklich ganz naiv und ohne – nein, vielleicht doch mit einer SPUR von Angeberei) sofort meinen Freund anrufen und ihm die magischen ersten Zeilen “In Little Hangleton nannten sie es immer noch das <Riddle-Haus>, obwohl…” vorlesen musste.

Neben Potter waren aber auch noch andere Bücher wichtig für mich. Die Redwall-Serie von Brian Jacques fällt mir spontan ein, ebenso wie die historischen Romane Auguste Lechners (Alexander der Große, Dietrich von Bern, Parzival, die Artussage). Herr der Ringe und Hobbit natürlich auch. Mehr Lokalkolorit brachten Otfried Preußler, Michael Ende und Paul Maar in den Mix. Auch Astrid Lindgren und Christine Nöstlinger (die FranzBücher!) spielten eine Rolle. Ach ja, und die Benjamin Blümchen– und Bibi Blocksberg-Hörspiele nehmen natürlich überhaupt eine Sonderstellung ein.

Rückblickend wird es wirklich ersichtlich: Ich hatte keine Chance!