In einem früheren Post habe ich schon über meine aktuell entzündete Faszination mit dem Mythos Sherlock Holmes geschrieben. Inzwischen habe ich weitere Holmes-Geschichten von Doyle gelesen und mein Respekt vor und Interesse an dieser Figur ist nur weiter gewachsen.

Was habe ich bisher über Holmes erfahren?

  • Er raucht wie einer der zu seiner Zeit frisch errichteten Fabrikschlote in Manchester.
  • Er schnupft ständig Kokain und trinkt literweise Kaffee.
  • Er ist notorisch unordentlich. Tabak findet sich bei ihm in den Socken.
  • Er leidet an depressiven Episoden.
  • Er ist ein Virtuose auf der Violine.
  • Er scheint asexuell zu sein (Watson: “Gefühle, und dieses vor allem [die Liebe], verabscheute sein kühler, exakter und bewundernswert klarer Geist. Er war die pefektionierteste Denk- und Beobachtungsmaschine, die die Welt gesehen hatte, aber als Liebhaber hätte er seine Rolle verfehlt.”) und teilt leider auch – zumindest, bis er eines Besseren belehrt wird – die Einstellung seiner Zeit zu Frauen (Watson: “Er pflegte sich früher des öfteren über den Verstand der Frauen lustig zu machen.”)
  • Er ist ein meisterhafter Verkleider. Tatsächlich so meisterhaft, dass es schon unglaubwürdig wird (: (Watson: “Es war schon kurz vor vier Uhr, als ich die Tür öffnete und ein betrunkener Stallbursche mit ungekämmtem Haar, struppigem Backenbart im geröteten Gesicht und abgerissener Kleidung ins Zimmer kam. Ich kannte zwar die ungewöhnliche Verwandlungsfähigkeit meines Freundes, aber ich mußte doch sehr genau hinsehen, ehe ich sicher war, daß ich wirklich Holmes vor mir hatte.”)
  • Und Holmes ist ein Workoholic. Er braucht Fälle wie andere die Luft zum Atmen. Wenn er unbeschäftigt ist, verfällt er in Lethargie, ja Depression, und greift zu Drogen.

All das macht Holmes für mich zu einem sympathischen und sehr modernen Menschen. Ein wenig erinnert er mich an den Stereotyp des Wall Street – Aktienhändlers, der angetrieben von gewaltigen Amphetamindosen seinem achtzehnstündigen Tagewerk nachgeht. Es ist aber die Verletzlichkeit von Holmes, die ihn so sympathisch macht. Trotz seiner nahezu überirdischen kognitiven Fähigkeiten bleibt er ein einsamer Mensch, der dennoch dem Dienst an der Menschlichkeit verpflichtet bleibt. Seine Schwächen und Laster machen holen ihn wieder herab vom Olymp der Göttlichkeit und lassen uns ihn als einen von uns erkennen, als einen der Besten.

Wir brauchen mehr Sherlock Holmes Stories!

(Ich habe nach guten Bildern gesucht, aber bis jetzt war es eine Fehlanzeige. Er sieht für mich auf jeden Fall KEIN BISSCHEN aus wie Robert Downey Jr.!)

Mehr aus dem Holmes-verse demnächst.