Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews sind drei Jungen, die in dem kalifornischen Küstnestädtchen Rocky Beach leben und Rätsel lösen. Manchmal klären sie sogar richtige Verbrechen auf. Sie nennen sich Die Drei ??? und in gelegentlicher Zusammenarbeit mit Regisseur Alfred Hitchcock lösen

Das ist die Prämisse einer Reihe von Jugendbüchern, deren Hörspiele in Deutschland denselben Beliebtheitsstatus wie die Benjamin Blümchen oder Bibi Blocksberg aufweisen. Es sind relativ harmlose, also gewaltfreie, mehr auf “Rätselknacken” ausgelegte Geschichten, die sich um die drei amerikanische Teenager drehen.

Eines Tages beschließt der ein wenig dickliche, aber sehr aufgeweckte und belesene Justus Jonas, ein Detektivunternehmen zu gründen. Als Gründer und Vordenker hat er von nun an natürlich den Rang des Ersten Detektivs inne, während Peter Shaw, der sich vor allem durch Sportlichkeit auszeichnet, der Zweite Detektiv wird. Bob Andrews, der passenderweise in einer Bibliothek arbeitet, ist nicht Dritter Detektiv, sondern zuständig für Recherchen und Archiv. Wie er sich deswegen fühlt, ist nicht bekannt.

Die Zentrale der drei Detektive ist ein versteckter alter Campinganhänger auf dem Schrottplatz von Justus’ Onkel Titus. Neben Dunkelkammer (! – die Serie begann 1964, in den heutigen Geschichten haben sie aber glaube ich schon Smartphones) und Telefon befindet sich dort alles, was ein richtiges Detektivbüro eben braucht.

Soweit die Essentials. Das Gespensterschloss ist nun das allererste Buch, in dem die Jungen ihr Büro gründen (bzw. Justus beschließt, dass sie von jetzt an Detektive sind und die anderen machen einfach mit) und ihren ersten Fall lösen, wobei sie dabei auch Alfred Hitchcock kennenlernen. Justus will den berühmten Regisseur als Werbemaßnahme einsetzen, um die Bekanntheit ihres Unternehmens zu steigern. Der ist natürlich nicht begeistert davon, aber es gelingt dem Ersten Detektiv einen Deal mit ihm zu machen: Wenn sie für seinen nächsten Film ein authentisches Spukhaus finden, wird er dem Bericht ihres ersten Falles ein Vorwort schreiben. (Hier denken wir natürlich in der Literaturgeschichte zurück an den getreuen Chronisten von Sherlockl Holmes, Dr. James Watson. In diesem Fall übernimmt Bobs Journalistenvater die Rolle.)

Mehr muss zur Handlung nicht mehr gesagt werden. Sie verläuft relativ linear, mit kleineren Überraschungen: Geheimgänge hinter Spiegeln, trickreiche technische Vorrichtungen, Verkleidungen und verstellte Stimmen, alles drin, was in dem Genre üblich ist. Für heutige Leser, auch junge, wahrscheinlich wenig aufregend, aber gerade dadurch charmant.

Das Buch liest sich gut, wenn auch der Zeitunterschied in Sprache und Charakterisierung deutlich spürnar ist. In den heute produzierten Hörspielen und Büchern sind die Jungen lebhafter und weniger schematisch als noch in diesem ersten Buch von Jordan, das sie relativ spärlich charakterisiert. Ob es in den nächsten Büchern besser wird, bleibt abzuwarten.

Es ist aber klar, warum diese Geschichten damals in Deutschland so einschlugen. In einer Zeit vor billigen internationalen Flügen und vor YouTube, als Amerika immer noch das geheimnisvoll leuchtende Land der Verheißung war, konnte man über Jungen lesen, die im sonnigen Kalifornien lebten, sogar in Fahrdistanz zum legendären Hollywood, und dort Fälle lösten. Welcher Junge, der auch Karl May las, würde sich davon nicht angesprochen fühlen?

Die drei ??? (orignial: The Three Investigators) sind in Deutschland interessanterweise immer noch eine zugkräftige Marke. Während sie in den USA nach dem Tod Hitchcocks und damit dem Ende der Lizenzvereinbarung, die seinen Namen auf das Cover setzte (und seinen fiktiven Charakter in die Bücher), endete, In Deutschland war die Serie aber nachhaltig so erfolgreich, dass sie bis heute weiterbesteht. Es war eine österreichische (!) Autorin, Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer, die die Serie als Erste fortsetzte, später kamen dann andere deutschsprachige Autoren dazu. Nach wie vor ist es aber vor allem die Hörspielreihe, die den Büchern folgt, die die große Beliebtheit der Serie bewirkt.

Gesprochen wird die Serie von den drei Schauspielern Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich, die das sein von Anfang an machen, also seit über 40 Jahren! Das heißt, dass die hellen Jungenstimmen der ersten Hörspiele tatsächlich dieselben Stimmen sind, die die Serie noch vierzig Jahre später hat, was irgendwie majestätisch ist.

Hier übrigens ein Interview mit den drei, geführt von Google Play. Danke, Google!

Und hier das Fazit aufLiterary Swag: