Im zweiten Kapitel von HdR geschieht eine Riesenmenge, aber nicht äußerlich. An äußerlicher Handlung haben wir nur, dass Frodo sich in der Zeit nach Bilbos Verschwinden in der Rolle des Erben von Beutelsend einfindet und es sich darin gemütlich macht (obwohl er ab und zu auch Anflüge des mittlerweile berüchtigten Beutlin’schen Abenteuerfiebers verspürt). Gandalf hingegen löst sein Versprechen Bilbo gegenüber ein und besucht das Auenland immer wieder, um nach Frodo zu sehen.

Doch plötzlich bleibt er für neun Jahre fort.

Neun Jahre?!

Heutzutage würde sich wohl kaum ein Fantasyautor mehr trauen, so viel Zeit in seiner Geschichte verstreichen zu lassen, in der rein gar nichts passiert und nur der Protagonist altert. Frodo denkt, der Zauberer “habe jedes Interesse an den Hobbits verloren.”

Doch weit gefehlt. Was Gandalf in all den Jahren getrieben hat? Er hat recherchiert! Er musste über den Ring von Bilbo, der nun in Frodos Besitz war, Wissen erlangen und seine Zweifel beseitigen. Dass das so lange dauert, wenn man einfach gleich den Feuertest (ins Feuer schmeißen und nachsehen, ob Schrift auftaucht) hätte machen können, ist allerdings ein wenig irritierend (zugleich aber auch charmant naiv). Der Film lässt in seinen Schnittsequenzen erahnen, dass es nur wenige Wochen oder Monate sind, die Gandalf fort ist, so lange er eben bis nach Minas Tirith braucht.

Jedenfalls – Gandalf ist zurück, und was er zu erzählen hat, hat es in sich.

In der Beschaulichkeit seines Kaminzimmers erzählt er Frodo an einem Abend und dem darauffolgenden Morgen im lichten Auenland eine merkwürdige Geschichte. Es ist die Geschichte vom Ring des Dunklen Herrschers und dessen Fall, die Geschichte von den großen Dingen, die sich jetzt in den Landen außerhalb abspielen und Wellen auslösen, die endlich auch Hobbingen erreichen.

Wir kennen alle die Geschichte, ich muss sie hier nicht nacherzählen. Entscheidend ist, dass wir jetzt eine ziemlich ausufernde Erzählgespräch-Szene haben, die im Buch ziemlich einzig ist und wohl nur in Elronds Ratssitzung einen Ebenbürtigen hat. Palaver, palaver, palaver – und wie angenehm ist es dieser ruhigen Erzählung zu lauschen, als Leser dem Lauschen von Frodo (und Sam vor dem Fenster) zu lauschen, während sich in Gandalfs Worten die ungeheure Weite und Tiefe der Welt jenseits des kleinen runden Fensters zu Beutelsends Garten entfaltet. Wir erfahren: Es wird eine Reise geben, eine Reise, die groß ist. Zunächst geht es nur nach Bruchtal, mit dem treuen Sam, den Gandalf schnell einfängt und Frodo als Anhängsel verpasst, im Gepäck.

Was danach kommt? Wer weiß das schon. Die Straße gleitet fort und fort …