Folgt man der Literaturtheorie und -geschichte, muss man zu dem Schluss kommen, dass wir im Jahr 2016 in einer Sackgasse angekommen sind.
Alles ist gesagt, geschrieben, getanzt, gespielt. Das Wort selbst ist entleert. Zahlen und Gleichungssymbole sind die Sprache des Fortschritts. Die Kunst kann nur noch schweigen, wenn sie sich auf das Medium der Sprache beschränkt.
Doch müssen wir dieser Logik wirklich folgen? Warum denn muss alles auf etwas hinauslaufen? Warum dürfen wir heute nicht mehr den Blankvers, den Alexandriner, das elegische Distichon verwenden? Was hindert uns? Es ist kompletter Unsinn, dass Literaten Philosophen mit messerscharfen Gedanken sein müssen. Das erste Wort wurde geschrieben, als die Wahrnehmung dieser unglaublichen Welt zum ersten Mal das Wahrnehmungsgefäß eines Betrachters überschwemmt hat. Wir schreiben und lesen nicht, um zu denken, sondern um zu leben. Intensiver! Kräftiger! Wir wollen, dass unsere Erfahrungen nachhallen und das die nächste noch stärker wird.
Anstatt also über Ideengebäuden zu brüten, warum besinnen wir uns nicht darauf, dass alles erlaubt und nichts jemals vergangen ist? Ich werde demnächst ein Blankvers-Epos schreiben, jawohl!