“Punkig, zärtlich, bedingungslos ehrlich – Eine starke neue Stimme” – das steht auf der Rückseite der Taschenbuchausgabe von “Chucks”, dem 2012 erschienenen Debütroman der jungen Wiener Autorin Cornelia Travnicek.

Ich mag es überhaupt nicht, wenn Kritiker oder Marketingleute meinen, Bücher mit ein paar Eigenschaftswörtern beschreiben zu können. Was sie damit in Wirklichkeit beschreiben, ist die Aura, die das Buch in ihren Augen hat oder bei den Lesern haben sollte. Selten bedeuten sie für Interessierte irgendeinen Informationsgewinn. In diesem Fall sind die leeren Phrasen ganz typisch für ein ebenso leeres Buch, das typisch ist für die junge Gegenwartsliteratur, welche selten einen einheitlichen, gekonnt konstruierten Plot hat, sondern lieber kurz, fragmentarisch, expressionistisch arbeitet.

“Chucks” erzählt auf verschiedenen ineinander verwobenen Zeitebenen aus dem Leben von Mae, deren kleiner Bruder an Krebs gestorben ist, was ihre Familie zerfallen lassen hat. Danach hat sie in etwa die klassischen Stationen jugendlicher Aussteiger (zumindest Prä-Internet) durchgemacht – schulische Abwärtsspirale bis zum Ausscheiden aus dem System, Leben als Punk auf der Straße, Zusammenleben mit spießbürgerlichem Architekten, zuletzt Zusammenleben mit einem AIDS-Kranken in der letzten Phase, bis sie zum Architekten zurückkehrt, weil der Mensch “nicht gerne allein” sei. Allein im letzten Satz des Romans widerspricht die Ich-Erzählerin / Protagonistin ihrem Duktus und Gebahren den ganzen restlichen Roman über. Und jetzt komme man mir bitte nicht mit tiefenpsychologischen Binnsenweisheiten, die eh so klar sind, dass darüber schon lange kein Roman mehr geschrieben werden sollte.

Mae verwandelt sich also in eine typische großstädtische Jugendfigur, in der sich verstörte Teenagerin, Rebellin, verspielte Linke und vermeintlich abgeklärte Zynikerin mischen. Kaum eine Neuentdeckung Travniceks. Anscheinend reizt dieser Typus viele AutorInnen der neueren Generation, auch wenn damit Neues wirklich nicht mehr zu machen ist. Vielleicht ist das ja, weil diese Figur ihnen am nächsten steht? Oder teilen sie die geschäftliche Einstellung ihrer Verlage, die damit wohl hoffen, an die “Jungen” ranzukommen? Keine Ahnung, was der Grund ist, ich jedenfalls habe keine Lust mehr, über sie zu lesen. Selbst wenn Zynismus und Abgeklärtheit dem Kern der modernen Befindlichkeit am nächsten stehen, lese zumindest ich, um aus ihr zu entkommen und andere Möglichkeiten und Perspektiven kennen zu lernen, nicht, um weiter mit klebrigen Schuhsolen darin herumzuquatschen.

Stattdessen wird man in “Chucks”, wie auch in verwandten Büchern wie dem jüngeren “Das grenzenlose Und” (auch hier rezensiert) oder John Greens “Das Schicksal ist ein mieser Verräter” mit der Nase in diese aussichtslose Trübsinnigkeit gestoßen. In allen drei Büchern spielen außerdem Krankheit und Tod eine tragende Rolle, wobei Green sich noch mehr darauf konzentriert als Autorinnen Travnicek und Weihs, für die der Tod eher die passende Garnierung für ihren hippen “Auf-alles-geschissen”-Auflauf ist.

Allereinfachste, von jeglicher spezifischer Beschreibung oder erzählerischer Raffinesse befreite Sprache sind hier ebenso symptomatisch wie eine trocken und vorhersehbar ablaufende Handlung, die versucht, sich ganz am Ende noch ein wenig Emotionalität zu injizieren, was dann auch funktioniert, wenn der Leser nicht zwei Sekunden nachdenkt, wie das zu dem Rest passt.
Nein, diese Art von Hipster-Genre-Literatur ist wahrlich nichts für mich.

War aber locker-leicht und schnell zu lesen. Wer also trotzdem Lust hat oder meint, das träfe seinen Geschmack, hier und hier sei’s gekauft.