Das hier wird ein etwas ungewöhnlicher Post, insofern als ich diesmal nicht über erfundene Geschichten schreibe, sondern über die Wirklichkeit, die wie erfunden klingt.

Ich habe eine neue Romanidee. Arbeitstitel: “Reicher Mann kandidiert.” Der Plot soll versuchen nachzuzeichnen, wie die Verkörperung von Korruption, Bullytum, enthemmtem Materialismus (sprichwörtlich) und kindlichem Anti-Intellektualismus Millionen von ängstlichen, wütenden Wählern für sich gewinnen kann.

Donald Trump ist natürlich mehr als nur ein Typ, der zufällig einen Haufen Geld hat und zu einer Zeit auf die Bühne tritt, da Regierung(serfahrung), Washington und Politiker für weite Teile des US-amerikanischen Wahlvolks Schimpfwörter darstellen. Man konnte diesen Trend schon bei der Wahl 2012 beobachten, als Figuren wie die Kongressabgeordnete Michelle Bachmann oder Pizza-Magnat Herman Cain für kurze Zeit dominante Figuren in den Primaries waren. Und wenn man noch ein wenig weiter zurückgeht, ins Krisenjahr 2009, dem Jahr von Obamas Amtsantritt, stößt man auf den Erwachungsmoment der Bewegung, die jetzt unter ihren beiden Galleonsfiguren Donald Trump und Ted Cruz die Republikaner in eine existenzielle Krise geworfen haben.

Was mich bei alldem hauptsächlich erstaunt, ist wie überrascht und ahnungslos die Parteielite der GOP auf diese Entwicklung reagiert, die mittlerweile doch seit mindestens fünf Jahren Fahrt aufgenommen hat. Dass sie noch Anfang des Jahres sicher gewesen ist, ein bürokratischer, steifer Dynastieprinz wie Jeb Bush, GWs jüngerer Bruder, könnte allein durch überragendes Sammeln von Spendengeldern und taktisches Ausgeben dieser Gelder die Vorwahlen für sich entscheiden, wirkt rückblickend wie eine kindliche Fantasie, wenn es doch gerade diese vermeintliche Unvermeidlichkeit eines Jeb Bush war, die Horden von frustrierten Republikanern in Trumps Gatter getrieben haben. Bei einer solch fatalen Darbietung von Volksvertretern, die zu meinen scheinen, auf das Volk käme es nicht an, muss man kein rhetorisches Genie sein, um die Angewidertheit, die so etwas erzeugt, in Unterstützung für sich zu verwandeln.

Donald Trump und sein ehrgeiziger Schatten Ted Cruz sind die Kandidaten mit den rhetorischen Schlaghämmern. Ihre Tiraden gegen alles, was auf typisches Politikerverhalten hinweist, wird von Millionen begeistert aufgenommen, die es denen da oben am liebsten selbst reindrücken würden. Da spielt es keine Rolle, dass Donald Trump noch so gut wie keinen konkreten Policy-Vorschlag gemacht hat. Das muss er nicht. Er muss nur die Ängste, den Frust und die Wut der Basis als ein Totem verkörpern und die Wähler danken es ihm.

Es wird jetzt in den Medien jetzt viel über Trumps politisches Talent gestaunt, aber so gigantisch, wie es jetzt als Gegenreaktion auf seine vorige Herabsetzung, aufgeblasen wird, ist es gar nicht.
Donald Trump hat zwei unschätzbare Vorteile.
1) Er hat unbegrenzt Geld und muss auf nichts und niemanden Rücksicht nehmen. Er ist bekannt und bewundert dafür, zu reden, wie es ihm passt, und kann das daher uneingeschränkt tun.
2) Er hat ein untrügliches Gespür dafür, wie die Schlagzeilen des Tagesgeschehen von seinen Unterstützern emotional verarbeitet werden, und kann seine Kommentare dazu entsprechend artikulieren. Viele seiner hingegebensten Anhänger drücken seine Attraktion auf sie so aus: Er redet, was ich denke.
Diese zwei Punkte verbunden mit einem geradezu lachhaften Unverständnis der Parteieliten erklären Donald Trump.