Der nächste Text Zweigs mit politischem Anhauch. Hier ist dieser aber deutlich geringer als in der Genfer Episode; er bildet nur die Bühne und Kulisse für eine größere Botschaft über die Glorie und Vergeblichkeit aller menschlichen Anstrengung.

Ich versuche meine etwas ausufernden Nacherzählungen einzudämmen, um mehr über die Qualitäten der Texte sprechen zu können.

Wir sind irgendwann in den Zwanzigern. Die berüchtigte deutsche Inflation ist am Galoppieren. Ein Kunsthändler, der den Großteil seiner Ware als Geldanlage an Banausen verkaufen hat müssen, begibt sich auf der Suche nach neuer Beute zu einem alten Kunden, von dem er lange nichts mehr gehört hat und bei dem er versteckte Schätze vermutet. Tatsächlich erweist es sich, dass er recht hat. Als er den erblindeten alten Mann in seiner Wohnung besucht, schwärmt dieser von seiner großen Sammlung von Stichen und Drucken, die das Ergebnis seiner Lebensarbeit sei und an der er sich erfreuen wolle, bis er stürbe. Danach dürften seine Frau und Tochter sie verkaufen. Der Händler könne das für sie übernehmen.
Der Haken an der Sache ist, wie der Händler in einem Vier-Augen-Gespräch mit der Tochter erfährt, dass die beiden sie bereits verkauft haben. Stück um Stück haben Gemahlin und Tochter die Sammlung aufgelöst, um den Haushalt finanziell über Wasser zu halten, um Nahrung zu kaufen, und dabei haben sie wegen der rasenden Entwertung für jeden Verkauf weniger Geld bekommen. Jetzt befinden sich dort, wo der Vater seine geliebten Stücke vermutet, nur noch leere, weiße  Blätter. Die Tochter fleht den Händler an, die Täuschung des Vaters, die dessen letztes verbliebenes Glück darstellt, nicht aufzuheben, und ergriffen stimmt er zu.

Es folgt eine Szene, die Zweig als beinahe spukhaft beschreibt. Der Blinde zeigt dem Händler seine leeren Blätter und beschreibt ihm detailgenau, was dort nicht mehr zu sehen ist. Der Händler spielt mit, aber dabei läuft es ihm kalt den Rücken hinab.

Als der Händler den in seiner kleinen Passion Zufriedenen verlässt, ist er zwiegespalten zwischen Scham über sein Lügen und dem Wissen, dass der Alte durch seinen Irrtum “sanft aufgehoben aus unserer wirklichen widerlichen Welt von der weißen Wolke eines gütigen Wahns” ist.

Im Grunde ist es die Matrix-Thematik, das Höhlengleichnis, mit dem der Text spielt. Besser ignorant und glücklich als aufgeklärt und niedergeschlagen? Das ist die Frage.