Wer meiner YouTube-Show folgt, weiß, dass ich aktuell eine gewisse Schwäche oder Faszination für Erotik-Literatur habe.
Ich habe vor Kurzem zwei Bücher von Sylvia Day und Maya Banks gelesen, beides große Namen aus dem Harlequin-Kosmos der “Romance”-Novels, wie sie euphemistisch heißen – ich würde sie lieber “Sexgeschichten” nennen und das Wort “Romance” seinem althergebrachten Sinn vorbehalten, nämlich entweder dem abenteuerlichen Roman oder dem Roman, der sich größere Freiheiten mit den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit nimmt, als dies für die Gattung gewöhnlich ist. Das sind beides aber eher schon historische Begriffsverwendungen. Ich empfehle Lesern hier das Vorwort von Nathaniel Hawthornes “The House of the Seven Gables”, um sich einen Begriff zu machen, was “Romance” bedeuten kann.
Um die Abschweifung zu beenden und fair zu sein: Sex ist regelmäßig und wichtig in diesen modernen Geschichtswaren, aber dazu gehören auch ein paar geschichtserzählerische Regeln, die beachtet werden müssen, was die erfolgreichen Autorinnen auch gut machen.
Ausgehend von Maya Banks’ zwei Erzählungen in dem Band “Deep Desire” und Sylvia Day’s Sexstory in historischem Kleid “Geliebter Fremder” möchte ich hiermit ein paar Regeln aufstellen, die niemand in diesem Genre brechen darf:

  1. Die Frau muss zerbrechlich, stark, unabhängig und submissiv zugleich sein.
  2. Der Mann muss uneingeschränkt prachtvoll aussehen, eine düstere bis cholerische Ader haben, dabei mit hoher Intelligenz bestechen, trotzdem aber immer nur gequirlte Scheiße reden.
  3. Entweder müssen beide aus dem Geldadel kommen oder zumindest der Mann.
  4. Differenzen müssen der Spannung wegen eintreten, dabei aber nur auf Missverständnissen fußen, die leicht zu lösen sind und meist darin bestehen, dass der Mann das  Weib zu sehr liebt und glaubt, sich verstecken zu müssen.
  5. Am Ende, nach einem Leben heißer, schwitziger Nächte wird eine Großfamilie gegründet, aber der/die LeserIn darf den Schluss ziehen, dass trotz breiterer Hüften und schreiender Babys munter weitergerammelt wird.
  6. Alle Figuren haben starke neoliberale Werte, sind sozial aber ein wenig aufgeschlossener. Abtreibung bleibt ein großes No-No.

Lest die beiden Werke von Day und Banks und ihr werdet diese Regeln bewundernswert subtil angewendet sehen.
Ja, Erotikliteratur ist vor allem Fantasieerfüllung. In ihr flüchten wir uns in relativ heile, bunte Welten, in der alle Wünsche verlässlich erfüllt werden und am Ende doch das Familienglück gewinnt. Varietät wird am ehesten durch die Sexszenen erzeugt – etwa ob eine Autorin das Wort fuck/ficken benutzt (Day und Banks vermeiden es, James nicht) oder wie explizit die Genitalien benannt werden. Der Sexakt selbst wird weniger anatomisch als psychisch erzählt. Was ich entdeckt habe, ist, dass die metaphorische, umschreibende Sprache für Orgasmen recht begrenzt zu sein scheint. Aber das liegt wohl in der Natur der Sache.
Ich werd sie jedenfalls mit eifrigem Interesse weiterlesen und euch auf dem Laufenden halten. Genaue Inhaltsangaben möchte ich bei diesen Büchern aber nicht vornehmen, was der Tatsache Rechnung trägt, dass der Inhalt meist austauschbar und nicht so wichtig ist.

Cheers, Alacazoom

PS: Im direkten Vergleich fand ich die Sexszenen Sylvia Days ausführlicher, gewagter und stimulierender als die von Banks, deren Stories, zumindest in diesem Vergleich, mehr auf den romantischen Aspekt ausgelegt sind als auf den anatomischen.