Post in eigener Sache, weil ich gerade eine mittnächtlich-frühmorgendliche Epiphanie gehabt habe:

Muss ich mich zwischen naturalistischem Realismus und einer Ästhetisierung entscheiden, werde ich jedes Mal die Ästhetisierung wählen.

Grellere Farben, dunklere Schurken, hellere Helden, Eloquenz und Dramatik bis in die letzte narrative Ecke. Das ist es. Als die Menschen angefangen haben, die ersten Geschichten zu erzählen, waren diese Geschichten MYTHEN. Es ging um die großen Fragen, und die großen Fragen wurden fantasievoll und bunt und dramatisch und allegorisch ausgestaltet. Zum Teufel mit Philosophie und Sprachkritik, zum Teufel mit Spiel auf Ebene der Sprache, zum Teufel mit Nuancierung bis zur Fragmentierung, die Rechtfertigung von Geschichten, von Literatur, von Fiktion im weitesten Sinn liegt im Mythos.

Was heißt dann, mythisch schreiben? Mythisch schreiben heißt, keine Angst vor der Fantasie zu haben, und keine Angst vor der Größe. Und wenn man bis jenseits der Sterne greift. Und wenn man bis jenseits von Raum und Zeit greift. Es gilt, Liebe und Hingabe zu erwecken, das Bewusstsein von etwas Großem und zeitlos Gültigem. All das kann in einer Geschichte, aber auch nur in einer einzelnen Figur verkörpert sein. Natürlich sind Geschichten nur die Zusammenstellungen von Figuren. Diese einzelnen Figuren müssen unverkennbar und einzigartig sein, wie Statuen im Pantheon.

Die Japaner haben das besser verstanden als Hollywood. Anime ist dem Mythos ähnlicher als fast alles, was aus Kalifornien kommt. Wichtige Ausnahmen: Star Wars, der Warcraft-Film.

Also, seien wir mehr wie die Japaner!