An jenem Morgen fragte er sich vielerlei. Er fragte sich, wie oft er in seinem Leben rücksichtslos, gemein und niederträchtig gewesen war, ohne es zu merken. Er fragte sich, welche Triebe oder Instinkte, im Schlamm seines Unterbewusstseins verborgen, sein alltägliches Handeln wie unsichtbare Dämonen, die ihre Flügel auf seinen Schultern aufspannten, beeinflusst hatten. Er fragte sich, welche Stärke das geheime Böse in seinem Herzen besaß, nachdem es in der gesamten Nation so unversehens ans Tageslicht gebrochen war. Er fragte sich, was Moral überhaupt noch bedeutete. Er fragte sich, warum er es nicht kommen sehen hatte; ob das bedeutete, dass er Teil davon war. Er fragte sich, warum er es nicht im Flug der Vögel gelesen, im raschelnden Fall der Blätter gehört, in den Rinnspuren der Regentropfen an seiner Fensterscheibe gesehen hatte.

Er fragte immer weiter, um keine Antworten zu erhalten. Die Zeit für Antworten würde kommen; wenn er sich dem stellen musste, was als Realität anzuerkennen, ja wahrzunehmen ihm noch unmöglich war. Jetzt konnte er nur sehen und hören. Er sah die Feiernden, ihre geröteten Gesichter voller Triumph und Trotz. Er hörte ihre Freudenchöre, die wie Drohungen klangen. All das ging ihn irgendwie an, zugleich aber auch nicht. Es war, als ob alle Welt sich großartig über einen Witz amüsierte, den er nicht und nicht verstehen wollte.