Das achte Kapitel ist ein schön gruseliges.
Nach ihrer Rastpause in Bombadils gastfreundlichem Haus müssen sich die Hobbits wieder aufmachen. Ihr Weg führt sie über die Ausläufer der Berge nördlich von Bombadils Haus, wo die ominösen Hügelgräber der lange vergangenen Menschen des Westens sind, die hier einst gelebt haben.
Während sie über die Bergkämme reiten, beginnt Nebel aufzusteigen und ihnen zu folgen. Dann begehen die Hobbits einen entscheidenden Fehler, wie es im Märchen so oft geschieht: Die Hobbits gelangen an einen verdächtigen aufrechten Stein in einer Mulde, bei dem sie sich niederlassen, essen und sich ausruhen. Dann schlafen sie ein. Als sie wieder erwachen, geht die Sonne unter und der Nebel beginnt sie einzuschließen.
Panisch machen die Hobbits sich wieder auf, aber bald sind sie völlig verirrt. Frodo meint den Ausgang der Hügelgräberhöhen zu erkennen und treibt sein Pony vorwärts. Die anderen bleiben zurück. Als er sich umsieht, sieht er sie nicht mehr. In der Ferne hört er Schreie, die schnell verstummen.
Frodo irrt jetzt allein durch den kalten Nebel. Nicht lange aber. Er gelangt letztlich neben ein “dunkles schwarzes Gebilde”, das drohend vor den Sternen aufragt. Dort erreicht ihn eine kalte Stimme aus dem Boden: “Ich warte auf dich.” Zitternd fällt Frodo zu Boden. Eine Gestalt nähert sich ihm aus den Schwaden und sein Bewusstsein löst sich auf. Er ist wie die anderen den Hügelgräberwichten in die Hände gefallen.

Side Note: An dieser Stelle fragt sich der Leser natürlich, wer oder was genau diese Wichte eigentlich sind. Fragen wir Schneidewinds Tolkien-Lexikon: Ihm zufolge ist ein Grabunhold “ein echter Geist, also ein Toter, der nicht von der Welt weicht.” Auch seien diese Geister aus dem Gefolge des Hexenkönigs von Angmar, den wir natürlich erst viel später als den Fürsten der Nazgûl kennenlernen.

Frodo kommt in einer unheimlichen Grabkammer zu sich; neben ihm liegen seine drei Freunde mit geschlossenen Augen. In dieser Situation tödlicher Angst überkommt ihn die Versuchung, den Ring zu verwenden, um zu entkommen. Er widersteht jedoch, leistet mit einem Schwert Widerstand gegen den Geist und erinnert sich schließlich an das Lied, das Bombadil ihnen für Notfälle beigebracht hat.
Er singt es, und da erscheint Bombadil, bricht das Grab auf und rettet sie. Die Szene ist typisch für das Tolkien’sche Werk, in dem das Licht immer wieder in vermeintlich hoffnungslose Situationen die Rettung bringt. Viel wurde auch aus Tolkiens christlicher Metaphorik gemacht, und wenn man will, kann man in dieser “Auferstehung” aus dem Grab natürlich so einiges Biblisches erkennen.
Anschließend schaffen sie die Schätze ans Licht des Tages und Bombadil sucht vier kurze Schwerter aus ihnen heraus, die er den Hobbits überreicht. Es sind alte Klingen der Menschen des Westens, die sich im weiteren Verlauf der Geschichte als entscheidend herausstellen werden, besonders für Merry. Danach begleitet Tom sie auf seinem dicken Plumpel zurück ins flache Land. Die Einladung der dankbaren Hobbits (die vielleicht auch ein wenig von Selbstinteresse geleitet ist), mit ihnen in Bree auf ein Bier zu gehen, schlägt der dicke Mann mit der exzentrischen Kleidung jedoch aus:

“Toms Reich endet hier, er wird es nicht verlassen,
Tom hütet Haus und Hof, und Goldbeere wartet.”

So erreichen die Hobbits also Bree. Sie sind endgültig an der Grenze der ihnen bekannten Welt angekommen.